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Wie Pressefotografie den Blick für den Moment schult – und warum das meinen Auftraggebern heute zugutekommt



Es gibt Momente, die warten nicht. Ein Redner, der für eine Sekunde die Fassung verliert. Ein Lichtstrahl, der durch eine Industriehalle fällt und genau das beleuchtet, was ein Unternehmen ausmacht. Ein Mitarbeiter, der lacht – echt, ungestellt, menschlich. Wer solche Momente nicht erkennt, verpasst sie. Wer sie erkennt, hat ein Bild, das bleibt.

Diesen Blick habe ich nicht im Studio gelernt. Ich habe ihn in 16 Jahren als Pressefotograf bei der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung entwickelt – Tag für Tag, Termin für Termin, bei jedem Wetter und unter jedem Zeitdruck.

 

Der Anfang: Eine Ausbildung, die Grundlagen legt

 

Mein Weg zur Fotografie begann mit einer klassischen dreijährigen Ausbildung im Fotografenhandwerk, die ich mit der Prüfung vor der Fotografen-Innung Schleswig-Holstein abgeschlossen habe. Technik, Licht, Komposition – das handwerkliche Fundament wurde hier gelegt.

Aber wer glaubt, Fotografie lerne man vollständig in der Ausbildung, irrt. Die eigentliche Schule beginnt danach. Mein erstes Jahr bei der WAZ, 2003, begann gleich mit einem der unterhaltsamsten PR-Gags der Wolfsburger Stadtgeschichte: Wolfsburg hieß für einige Wochen „Golfsburg“ – zur Markteinführung des Golf V überklebte Oberbürgermeister Rolf Schnellecke höchstpersönlich die Ortsschilder. Zehn TV-Teams aus aller Welt filmten den Moment. Meine Aufgabe war klar: nicht das Schild fotografieren, sondern den Moment dahinter – den Gesichtsausdruck, das Schmunzeln, die Energie des Augenblicks. Ein guter Einstieg in das, was mich die nächsten 16 Jahre begleiten sollte.

Trompete auf Bühnenständer im roten Bühnenlicht, Synthesizer und Mikrofone im Hintergrund, Nebelmaschine – Konzertfotografie Sebastian Bisch, Wolfsburg.
Vor dem ersten Ton – Konzertfotografie kurz vor dem Auftritt.

16 Jahre Tagesgeschäft: Was Pressefotografie wirklich bedeutet

 

Was Pressefotografie von vielen anderen Bereichen unterscheidet: Es gibt keinen zweiten Versuch. Die Stadtratssitzung findet nicht nochmal statt, weil das Licht nicht gestimmt hat. Der entscheidende Blick eines Politikers dauert vielleicht eine halbe Sekunde. Das zwingt zu einer Haltung, die sich tief einprägt: immer bereit sein, immer beobachten, immer antizipieren.

Das Spektrum der Termine bei der WAZ war enorm – und das war gut so. Von Kleingartenfesten und Jahreshauptversammlungen bis zu Bundesliga und internationalem Tanztheater. Wer gelernt hat, bei einer Jahreshauptversammlung das interessante Bild zu finden, findet es auch auf einem Firmenevent. Kein Termin ist zu klein, um ihn ernst zu nehmen.

 

Sport: Wenn der Jubel keine Grenzen kennt

 

Wolfsburg ist eine Sportstadt – und ich war mittendrin. Als Pressefotograf der WAZ habe ich den VfL Wolfsburg und die Grizzlys Wolfsburg über viele Jahre begleitet, durch Höhen und Tiefen, durch spannende Playoffs und ruhigere Phasen.

Einer der Momente, die ich nie vergessen werde: der erste Aufstieg der Grizzlys in die Deutsche Eishockey Liga. Das entscheidende Playoff-Spiel fand auswärts in Kassel statt. Ich war dabei, gemeinsam mit meinem Kollegen Matthias Leitzke. Als die Schlusssirene ertönte und der Jubel losbrach, haben wir nicht lange gezögert – wir sind aufs Eis gestürmt. Mitten in die feiernde Mannschaft, mitten in die Umarmungen, die Tränen, die Entgegennahme des Pokals, das Mannschaftsfoto. Das ist der Moment, für den man Pressefotograf wird: nicht nur dabei sein, sondern mittendrin.

In den folgenden Jahren habe ich die Grizzlys bis 2019 begleitet – immer wieder Playoffs, mal hochdramatisch, mal weniger. Aber auch das gehört dazu: nicht jedes Spiel ist ein Finale. Trotzdem muss jedes Bild zählen. Der Anspruch bleibt derselbe, egal ob der Jubel grenzenlos ist oder die Halle nach einer Niederlage still wird.

Nicht weniger unvergesslich war die Meisterschaftssaison des VfL Wolfsburg 2009. Während meine Kollegen im Stadion und rund um die Volkswagen Arena verteilt waren, war ich draußen bei den Fans – beim Public Viewing, wo eine ganze Stadt außer Rand und Band geriet. Und danach: der Korso der Spieler von der Berliner Brücke durch die Innenstadt Wolfsburgs. Ich habe alles im Laufschritt fotografiert, Bild für Bild, ohne Pause. Solche Tage zeigen, warum Vorbereitung und körperliche Präsenz genauso wichtig sind wie die Kamera.

Tänzer in dramatischer Körperhaltung vor schwarzem Hintergrund, Arme ausgestreckt, starkes Seitenlicht – Tanzfotografie Sebastian Bisch, Movimentos Festival Wolfsburg.
Bewegung im Moment eingefroren – Tanzfotografie beim Movimentos Festival in der Autostadt Wolfsburg.

Kultur: Von Giacometti bis zeitgenössischer Tanz

 

Wolfsburg ist mehr als Volkswagenwerk und Fußball. Die Stadt hat eine lebendige Kulturszene – und ich habe sie über viele Jahre fotografisch begleitet.

 

Im Kunstmuseum Wolfsburg habe ich unzählige Ausstellungseröffnungen fotografiert. Große Namen der Kunstgeschichte – darunter Giacometti, dessen zerbrechlich wirkende, in die Höhe gestreckte Bronzefiguren den Ausstellungsraum auf eine fast magische Weise befüllen – gut besuchte Vernissagen mit Gästen aus Kunst, Wirtschaft und Stadtgesellschaft, und immer wieder durchdachte Inszenierungen, bei denen der Raum selbst zum Teil des Werkes wird. Besonders in Erinnerung geblieben ist die Ausstellung „Wolfsburg Unlimited“ von 2016: Der Künstler Julian Rosefeldt hatte tief im Innern des Museums ein Autokino im Maßstab 1:1 nachgebaut – man musste sich den Weg durch ein Containerterminal bahnen, um dorthin zu gelangen. Diese Art der Inszenierung stellt fotografisch ganz eigene Anforderungen: Nicht der große Moment entscheidet, sondern das Gespur für Stimmung, Licht und den Betrachter im Raum.

 

In der Autostadt habe ich über viele Jahre die Movimentos Festwochen begleitet – eines der bedeutendsten internationalen Tanzfestivals Deutschlands, das von 2003 bis 2019 jährlich in Wolfsburg stattfand. Internationale Tanzkompanien aus aller Welt, aufgeführt im alten Heizkraftwerk Süd des Volkswagenwerks: eine fotografisch anspruchsvolle Kulisse mit schwierigem Licht, schnellen Bewegungen und Momenten, die sich nicht wiederholen.

 

Dazu kamen Konzerte – darunter Kraftwerk, die Düsseldorfer Elektronikpioniere, die von der New York Times einmal als die „Beatles der elektronischen Tanzmusik“ bezeichnet wurden und deren Bühnenshow Licht, Projektion und Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Bei solchen Konzerten gilt für Pressefotografen eine besondere Regel: Man hat meist nur die ersten ein bis drei Songs Zeit zu fotografieren, manchmal sogar nur ein einziges Stück – dann müssen die Bilder fertig sein. Das zwingt zur absoluten Konzentration. Kein Aufwärmen, kein zweiter Durchgang. Nur dieser eine Moment, dieses eine Licht, dieser eine Blick auf die Bühne.

 

Ebenfalls in der Autostadt: Theaterproduktionen wie „Marx in Soho“, „Der Aufmacher“, „Tod eines Handlungsreisenden“ oder „Jedermann reloaded“, mit Schauspielern wie Boris Aljinovic und Philip Hochmaier. Lesungen, Gespräche, Performances – jedes Format stellt andere fotografische Anforderungen, und jedes will mit demselben Anspruch angegangen werden.

Darsteller in kariertem Hemd mit aufwändiger Hasenkopf-Maske auf dunkler Bühne, Hände seitlich ausgestreckt – Theaterfotografie Sebastian Bisch, Autostadt Wolfsburg.
Wenn die Maske zur Hauptrolle wird – Theaterfotografie in der Autostadt Wolfsburg.

2018 war ich zum letzten Mal als Pressefotograf beim Movimentos-Festival. Das Festival war durch die VW-Abgasaffäre bereits geschrumpft, das Programm kleiner geworden. Dass es das letzte sein könnte, spürten wohl alle – und doch war mein Gedanke damals: Es wird etwas Neues kommen. Und tatsächlich hatte die Autostadt bereits ab 2016 mit dem Sommerfestival Cirque Nouveau ein neues Format etabliert – sechs Wochen Zirkuskunst aus aller Welt, Akrobatik, Trapez, Theater, an vier Spielorten im Park. Ein anderer Rhythmus, eine andere Energie. Aber wieder dieselbe Aufgabe: den Moment greifen, bevor er vorbei ist.

 

 

Technik unter Druck: Wenn die Ausrüstung streikt

 

Ein Aspekt, über den selten gesprochen wird: Pressefotografie lehrt einen auch, mit widrigen Umständen umzugehen – und dazu gehört die Technik.

Wer jahrelang im Tagesgeschäft arbeitet, kennt die Situation: Die Kamera macht Probleme, das Speichermedium ist voll, der Akku fast leer, die Verbindung zur Redaktion bricht ab – und das alles genau dann, wenn es darauf ankommt. In solchen Momenten hilft keine Panik, sondern Erfahrung. Ich habe gelernt, Ausrüstung zu kennen wie ein Handwerker sein Werkzeug – nicht nur zu bedienen, sondern zu verstehen. Lösungen zu finden, bevor sie zum Problem werden. Diese Ruhe ist heute ein echter Mehrwert für meine Auftraggeber – sie merken davon schlicht nichts.

Und manchmal kommt das Unvorhergesehene nicht von der Technik, sondern vom Motiv selbst. Ein Brand des Fitnessstudios injoy in Wolfsburg – ein Termin, bei dem ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Die Bilder wurden später im Fernsehen gesendet. Das ist Pressefotografie in Reinform: Man kann nicht planen, wo der nächste große Moment wartet. Man kann nur bereit sein.

 

Menschen vor der Kamera: Die unterschätzte Herausforderung

 

Technik ist lernbar. Der Umgang mit Menschen ist schwieriger.

Als Pressefotograf war ich in unzähligen Situationen, in denen Menschen nicht fotografiert werden wollten – oder einfach nicht wussten, wie sie sich verhalten sollten. Politiker, die angespannt wirken. Sportler nach einer Niederlage. Bürger bei Kleingartenfesten oder Jahreshauptversammlungen, die plötzlich eine Kamera auf sich gerichtet sehen. Schauspieler die in ihrer Rolle stecken und trotzdem für ein Porträt bereitstehen sollen.

Ich habe gelernt, Menschen abzuholen. Nicht mit langen Erklärungen oder aufgesetzter Herzlichkeit, sondern mit Ruhe, Klarheit und dem richtigen Timing. Ein kurzes Gespräch vorher, eine ehrliche Ansage, das Wissen, wann ich warte – und wann ich auslöse.

Das zahlt sich heute bei Unternehmens-Shootings direkt aus. Ob Geschäftsführer, der keine Zeit hat und Kameras nicht mag, oder Mitarbeitergruppe, die steif und unbeholfen wirkt – ich weiß, wie ich Menschen in kurzer Zeit dort hinbekomme, wo ich sie brauche. Natürlich, authentisch, ohne Druck.

 

Was das für meine Auftraggeber heute bedeutet

 

2019 habe ich die Zeitung verlassen, um mich vollständig auf die selbständige Arbeit zu konzentrieren. Parallel zur Zeitung hatte ich immer schon eigene Auftraggeber – jetzt sollte der Fokus vollständig darauf liegen.

Dann kam Corona.

Veranstaltungen wurden abgesagt, Budgets eingefroren, einige Auftraggeber haben sich neu orientiert. Das war keine einfache Phase – aber sie hat mich gezwungen, genauer hinzuschauen: Wen will ich ansprechen? Was kann ich besser als andere? Wie will ich arbeiten?

Seit 2023 sind diese Fragen beantwortet. Unternehmensfotografie, Architekturfotografie, Eventfotografie, Automobil – für Auftraggeber in Wolfsburg, Braunschweig und überregional.

Was meine Auftraggeber davon haben? Einen Fotografen, dem nicht viel erklärt werden muss. Der weiß, dass ein Firmenevent nicht nochmal stattfindet. Der unter Zeitdruck ruhiger wird, nicht hektischer. Der von Ausstellungseröffnungen genauso viel mitgenommen hat wie von Eishockey-Playoffs in Kassel – und der weiß, dass auch das ruhigste Kleingartenfest ein gutes Bild verdient.

16 Jahre Pressefotografie sind kein Lebenslaufpunkt. Sie sind eine Denkweise.

 

Fazit: Erfahrung ist kein Zufall

 

Gute Fotografie entsteht nicht durch bessere Kameras. Sie entsteht durch den Blick, der weiß, wo der Moment steckt – und die Erfahrung, ihn zu greifen, bevor er weg ist.

Wenn Sie einen Fotografen für Ihr Unternehmen, Ihre Veranstaltung oder Ihr Architekturfoto suchen, der genau das mitbringt: Ich freue mich auf Ihre Anfrage.

 

Sebastian Bisch ist freier Fotograf aus Lehre bei Wolfsburg. Er fotografiert für Unternehmen, Institutionen und Kommunen in der Region Wolfsburg, Braunschweig und überregional. Schwerpunkte: Unternehmensfotografie, Architekturfotografie, Eventfotografie, Automobil und Sport.



 

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